27.10.2019 Dunkelromantik Review

Hier ist ein Album-Review von Dunkelromantik. Quelle: https://stephan-schuett.de/

Version C - Dunkelromantik - Review

Version C gibt es nun schon seit 10 Jahren. Eine Band die in ihrer Konstellation sehr oft rotiert, sowie Musik und ein klein wenig Schauspiel vereint. Das Projekt wurde unter der Leitung des Sängers und Produzenten Christian Nimz und seinen Bandkollegen ins Leben gerufen. Das neue Album wurde nun von Christian als Soloprojekt selbstständig fertiggestellt, da sich die Band 2017 offiziell aufgelöste. Passend zum Jubiläum gibt es wieder eine neue Platte mit vielen „Liedern gegen Schmerz, […] für Momente und […] das Herz“, die zum Nachdenken und Tanzen anregen. Die Songs dafür entstanden bereits im Jahr 2014 und wurden bisher auch des Öfteren Live präsentiert. Jedoch fehlte es an Zeit, die Aufnahmen professionell anzufertigen. Ein Jahr zuvor veröffentlichte Version C ihr Debütalbum mit dem Titel „Lotterie des Lebens“ auf dessen Cover ein Obdachloser abgebildet wurde und welches die Abgründe des alltäglichen Wahnsinns hervorbrachte. Daran anknüpfend weisen uns treibende Riffs und tanzbare Synthierhythmen den Weg durch das neue Album „Dunkelromantik“. Thematisch lässt sich das ganze in das Genre industriell Metal oder Neue Deutsche Härte einordnen, wobei sich auch einige Songs klar von dieser Bezeichnung abspalten.

Eröffnet wird das Album mit einem melodischem Instrumentalstück namens „Kaltes Wasser“. Dieses leitet erst mit ruhigem Glockenklang und anschließend mit gewaltvollen Gitarrenriffs die Gesamtkomposition ein. „In ein paar Sekunden ist alles aus, ich schweiße dich aus meinem Herz heraus“ heißt es im nächsten Song „Flammenherz“. Er beginnt sehr gesittet mit langgezogenen Akkorden, welche mittels Tapping auf dem Griffbrett unterstützt werden. Er entfaltet sich im Refrain nach einer geballten Ladung an Vorwürfen bevor eine Beziehung in die Brüche geht.

Das dritte Stück auf dem Album trägt den Titel „Bipolar gestört“. Beim ersten Hören könnte man meinen, dass Rammstein ihre Karriere auf diesen Song aufgebaut haben. Harte Gitarrenriffs, druckvolle Synthesizermelodien und schnelle Schlagwechsel gipfeln zu einem Vorzeigebeispiel für das Genre Neue Deutsche Härte. Wie anfangs erwähnt fügen sich nicht alle Songs auf dem Album dieser Musikrichtung. So gleicht „Fährmann“ einem Seemannslied durch die Untermalung von Akkordeonklängen. Es handelt von einem Toten, der auf den Fährmann Charon aus der griechisch-römischen Mythologie trifft.

Daran anschließend haben wir im nächsten Titel als Eröffnung ein Klavierstück, welches an die Atmosphäre von früheren Salonszenen im Wilden Westen erinnert. Der „Metzgermeister“ bietet vor allem für eingefleischte Metallfans eine schnelle Double Base und rasante Griffwechsel, wodurch das ganze Stück sehr bedrohlich wirkt.

Nach diesem Auftakt gibt es eine Verschnaufpause mit langsamen Akkordfolgen, kirchlichen Klängen und Chören. Die traurige Stimmung im Song „Fötus“ wird besonders in der Bridge deutlich, indem eine besorgte Frau klagend die Situation beschreibt.

Als nächstes folgt wieder eine schnelle Nummer. Der Titel „Alte Liebe“ beschreibt eine bittere Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen im hohen Alter. Genau wie im darauffolgenden Lied „Stadtgeflüster“ fordern die elektronischen Melodien nun zum Tanzen auf.

Wer bereits das erste Album von Version C gehört hat, ist auch gelegentlich über einen Song gestolpert, der einen kritischen Blick auf das Weltgeschehen wirft. So urteilt auch die Nummer neun „Menschenwerk“ über unsere Gesellschaft. Diese Kritik spiegelt sich auch in den nächsten zwei Songs „Geschwisterliebe“ und „Virus“ wieder. Die Strophen sind nun mit düsteren Samples versehen und die Gitarren peitschen hektisch in den Songabschnitten umher.

Nach alle den verstörenden Aspekten und Anschuldigungen bildet die zweite Ballade „Unendlichkeit“ den Abschluss des Albums „Dunkelromantik“. Der Song kommt fast nur mit Gesang, Streichern und Klavier aus. Im letzten Abschnitt fügen sich Gitarren und Schlagzeug lieblich und behutsam unter die Textzeile und gleichzeitigem Refrain: „Ein Gedanke in der Nacht schließt das Kapitel für immer ab. Für einen Moment das Herz befreit. Zieht weiter Richtung Unsterblichkeit“.

Fazit: „Dunkelromantik“ ist im Gegensatz zum Debütalbum „Lotterie des Lebens“ viel melodischer, härter, düsterer und komplexer gestaltet. Man hört, dass sich sehr viel musikalisches Know-How und Raffinesse in den 10 Jahren angesammelt haben. Wenn man bedenkt, dass alle Instrumente inklusive dem Gesang von einer Person aufgenommen und produziert wurden, so fragt man sich erst, was in den nächsten 10 Jahren herauskommen wird. Version C wird auch weiterhin von Chris fortgeführt und eventuell wieder mit Bandmitglieder versehen.